Über 90.000 mal pro Monat wird im deutschsprachigen Raum nach dem Begriff „Bewerbungsschreiben Muster“ und „Bewerbungsanschreiben Vorlage“ im Internet gesucht.

Es ist einfach sehr verlockend ein paar fertige Sätze zu kopieren, anstatt sich den Kopf nach eigenen Formulierungen zu zermartern.

Wahrscheinlich glauben viele Leute auch an die Existenz von Zaubersprüchen, die zwischen den Zeilen stehen um „simsalabim“ jeden Empfänger des Bewerbungsschreibens zu verzaubern und willenlos zu machen.

Glauben Sie auch an die Existenz solcher „besonders wirkungsvollen“ Vorlagen?

Sind Sie auch der Meinung, dass ein Bewerbungsschreiben trotz abgedroschener Worthülsen jeden Personalchef beeindruckt oder zumindest seinen Ansprüchen genügen muss?

Stopp. Lesen Sie nicht weiter.

Suchen Sie weiter nach diesen sagenhaften Vorlagen und Musterbeispielen und reihen sich ein, in die Warteschlange der ewig abgelehnten Jobkandidaten.

Der beste professionelle Lebenslauf nutzt Ihnen nichts, wenn Sie bereits am Anfang des Bewerbungsprozesses aufgrund Ihres Anschreibens ausgeschieden werden.

Aber halt, es gibt einen erfolgversprechenden Weg. Sogar einen sehr erfolgversprechend!

Die Lösung ist so einfach wie naheliegend, aber leider kein Time-Saver und auch keine bequeme Abkürzung.

So geht erfolgreich bewerben

Wenn Sie sich bemühen, jedes Ihrer Bewerbungsschreiben persönlich zu formulieren um ihn eine authentische Note zu verleihen, dann werden Sie sehr schnell merken, dass Sie vermehrt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden.

Außerdem lassen Sie dadurch schon sehr viele Ihrer Mitbewerber einfach hinter sich.

Das Bewerbungsschreiben ist nach wie vor für den Personalchefs oder Recruiter ein sehr wichtiger Bestandteil der Bewerbungsunterlagen, um eine erste Einschätzung über den Bewerber abgeben zu können. Das ist nicht faul oder überheblich, sondern zwingend notwendig um die Menge der Bewerbungen auf ein vertretbares Maß bzw. überschaubaren Aufwand zu reduzieren.

Laut einer wissenschaftlichen Studie der Universität Bamberg gehen acht von zehn Unternehmen davon aus, dass sich Kandidaten durch ihr Anschreiben positiv von anderen Kandidaten abgrenzen können.

Auch wenn manche Quellen das Gegenteil behaupten, ist es ein großer Fehler dem eignen Bewerbungsschreiben nicht genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Denn man kann nie wissen, welche Personen Ihre Bewerbungsunterlagen in die Hände bekommen.

Vor allem Männer in technischen Berufen neigen dazu, den Bewerbungstext extrem kurz zu halten, da ja alle wesentlichen Punkte sowieso im Lebenslauf aufgeführt sind. Die Tatsache, dass man sich um eine offene Stelle bewirbt geht ja immerhin aus der schlüssigen Handlung hervor 😊

„Hallo, hiermit bewerbe ich mich für die offene Stelle“ sollte doch reichen, oder nicht?

Das ist aber ein gefährlicher Trugschluss und führt unweigerlich dazu, dass man bei einer großen Zahl an Mitbewerbern sofort aus dem Bewerbungsprozess ausgeschieden wird.

Ein Aufwand, der sich bezahlt macht

Es ist völlig klar: Einen Ratschlag zu geben, ist sehr einfach. Einen Ratschlag zu befolgen, ist oft sehr schwierig.
Aber zum Vorstellungsgespräch führt kein anderer Weg als über Ihre Bewerbung und Ihren Lebenslauf.

Die Mühe, die man für ein überzeugendes Bewerbungsschreiben aufwenden muss, ist exakt der Grund dafür, warum auch heute noch ein großen Wert auf das Bewerbungsschreiben gelegt wird!

Der Empfänger erwartet sich, dass man am Inhalt und am Umfang des Bewerbungsschreibens erkennt, wie viel Aufwand in die Formulierung des Anschreibens geflossen ist.

Man möchte sehen, dass der Bewerber den Job tatsächlich haben möchte und am Unternehmen wirklich interessiert ist.

Bei einer großen Anzahl an gleich qualifizierten Bewerbern ist es logisch, dass sich die Unternehmen jene Leute heraussuchen, die am motiviertesten sind.

Niemand möchte im Anschreiben mit Textbausteinen und fertigen Formulieren angesprochen werden. Kein Unternehmen sucht Mitarbeiter, die schon für den allerersten Bewerbungsschritt nur den minimalsten Aufwand investieren.

Bewerbungsschreiben ohne positive Überraschung

Dennoch manchen es acht von zehn Bewerbern genau so, indem sie alle die gleichen kopierten Phrasen und Floskeln für Ihr Bewerbungsanschreiben verwenden!

Stellen Sie sich folgenden Vergleich vor: Sie gehen in ein gut besuchtes Lokal und fragen dort jede Person, die Ihnen gefällt, folgende Frage: „Ich möchte Sie kennen lernen. Darf ich sie auf einen Drink einladen?“

Wahrscheinlich werden Sie nicht viele positive Antworten bekommen. Viele Personen werden sich über die unpersönliche Ansprache beschweren oder wortlos wegdrehen. Obwohl Ihr Angebot inhaltlich nicht falsch ist.

Manche antworten Ihnen vielleicht, dass Sie diese Floskel schon sehr, sehr oft gehört haben.

Mit Glück kann es natürlich auch vorkommen, dass jemand keinen Wert auf Ihre Formulierung legt und froh ist, von angesprochen zu werden.

Dennoch sind Worthülsen und abgedroschene Formulierungen bei jeder Art des Kennenlernens so gut wie immer der falsche Ansatz, um als interessante Person wahrgenommen zu werden.

Bei jeder Art des Kennenlernens – also auch bei einer schriftlichen Bewerbung – erzielt man mit Glaubwürdigkeit und persönlicher Ansprache ein wesentlich besseres Echo und größeren Erfolg.

Selbst dann, wenn nicht sofort alle Parameter für Sie sprechen.

Obwohl das oben gezeigte Beispiel sehr einleuchtend ist, können viele Bewerber der Versuchung nicht widerstehen, den immer gleichen Text als Vorlage für alle weiteren Bewerbungsschreiben zu verwenden.

 

Nutzen Sie das Versäumnis Ihrer Mitbewerber für Ihren Vorteil

Heben Sie sich mit Ihren Bewerbungsunterlagen deutlich von Ihrer Konkurrenz ab!

Sie werden erstaunt sein, wie oft zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.
Natürlich vorausgesetzt Sie entsprechen den Anforderungen in der Jobanzeige.

Wecken Sie das Interesse an Ihren Fähigkeiten und an Ihrer Persönlichkeit. Wenn es Ihnen gelingt den Inhalt Ihres Bewerbungsschreibens für jede einzelne Bewerbung mit Details zur Firma und zur angestrebten Tätigkeit optimal anzupassen, dann können Sie darauf aufbauen und Abwandlungen des Textes als Grundlage für alle Ihre Bewerbungen verwenden.

Selbstverständlich werden aus den oben genannten Gründen in dieser Anleitung keine Textbausteine oder Phrasen angeführt. Vielmehr zählen wir alle wichtigen Schritte auf, die als Leitfaden für Ihren persönliches, selbst formuliertes Bewerbungsanschreiben dienen.

Beginnen Sie mit einer Rohfassung und verfeinern Sie die Details, sobald Sie alle Schritte umgesetzt haben. Verbessern und verfeinern Sie diesen Vorgang immer wieder, bis Sie das optimale Anschreiben entworfen haben.

Schritt 1: WER bewirbt sich WO?

Beginnen Sie mit dem Firmennamen und der Firmenadresse als linksbündiger Block.

Fügen Sie darunter Ihren Namen und Ihre vollständige Adresse ein sowie Ihre Email Adresse und Telefonnummer. Falls Sie über mehre Telefonnummern oder Telefonanschlüsse verfügen, geben Sie nur eine einzige Telefonnummer an, unter der Sie am besten zu erreichen sind. Niemand möchte mehrere Nummern durchrufen müssen, um Sie telefonisch zu erreichen. Weitere Informationen dazu finden Sie im Beitrag „Angabe der Telefonnummer im Lebenslauf“.

Fügen Sie eine persönliche Anrede ein, falls in der Jobanzeige ein Name angegeben ist. Eventuell können auch auf der Webseite im Bereich HR oder Jobs den Namen der zuständigen Person herausfinden. Nur falls keine persönliche Anrede möglich ist, verwenden Sie die allgemeine Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“.

 

Schritt 2: Wofür bewerben Sie sich

Schreiben Sie für welchen Job Sie sich bewerben.
Führen Sie den Job-Titel, den „Fundort“ und eine eventuell vorhandene Referenz-ID der Anzeige an. Das hilft der Personalabteilung oder dem Recruiter den Erfolg der Jobanzeige zu messen und die verschiedenen Plattformen vergleichen zu können. Sie erleichtern ihnen damit ihre Arbeit und vermeiden einen Minuspunkt, den Sie bei fehlenden Angaben bekommen würden.

 

Schritt 3: Was hat in der Anzeige Ihr Interesse geweckt?

Vermeiden Sie Floskeln wie „mit großem Interesse habe ich die Anzeige gelesen“ oder „ich suche nach neuen Herausforderungen“ und ähnliche Formulierungen.

Unglaublich viele Bewerbungen enthalten solche abgedroschenen Phrasen. Damit können Sie sich mit Ihrem Bewerbungsschreiben auf keinen Fall von Ihren Mitbewerbern unterscheiden.

Erklären Sie in wenigen Sätzen, welche Inhalte der Anzeige Ihr Interesse geweckt haben. Führen Sie an, für welche Aufgaben Sie sich besonders geeignet einschätzen.

Halten Sie sich bei Ihren Bewerbungen sowohl im Anschreiben als auch bei allen weiteren Bewerbungsphasen immer vor Augen, dass bei JEDER Jobausschreibung nach der am besten geeigneten Person gesucht wird, die in der Lage ist die Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit zu erledigen.

Das bedeutet nicht, dass nur die Besten der Besten eine Chance auf eine Anstellung haben.

Vielmehr müssen Sie in jeder Phase der Bewerbung überzeugen, dass Sie alle mit dem Jobprofil verbunden Aufgaben bewältigen können.

 

Schritt 4: Wieso sind Sie am Unternehmen und der Branche interessiert?

Recherchieren Sie auf der Webseite des Unternehmens alle Informationen, die Sie über das Unternehmen finden können. Googeln Sie nach Presseaussendungen und zusätzlichen Informationen, um sich ein besseres Bild über das Unternehmen machen zu können.

Erklären Sie, was Ihnen am Unternehmen besonders gefällt.
Knüpfen Sie an Aussagen an, die Sie auf der Webseite finden. Bleiben Sie in Ihren Argumenten sachlich und vermeiden Sie unprofessionelle Aussagen wie zum Beispiel „ich wohne nicht weit weg von ihrem Standort“ oder „dort kann man in der Mittagspause gut einkaufen gehen“ oder „die Schule meiner Kinder ist der Nähe“ und ähnliche Argument, die für Sie vielleicht wirklich ausschlaggebend sind, aber für das Unternehmen keine tatsächliche Motivation darstellen.

 

Step 5: Wecken Sie das Interesse an Ihren Erfahrungen und Fähigkeiten

Erklären Sie in ein paar Sätzen, warum Sie der ideale Kandidat für den Job UND für das Unternehmen sind. Beides ist wichtig!

Vermeiden Sie lange Schachtelsätze und die Nacherzählung ihres Lebenslaufes, sondern erwähnen Sie jene Punkte Ihre Ausbildung, Berufserfahrung und Fähigkeiten die zum zukünftigen Job passen.

Übertreiben Sie nicht und bleiben Sie realistisch.
Superlative machen jeden Leser misstrauisch und wirken stark übertrieben. Es klingt unglaubwürdig, wenn sich der beste, motivierteste und teamfähigste Superstar um einen normalen Job bewirbt. Die Kunst liegt darin, die eigenen Fähigkeiten im richtigen Lichte erscheinen zu lassen.

„Kreativer, motivierter und belastbarer Teamplayer“ ist eine sehr beliebt Floskel, die in vielen Bewerbungsschreiben vorkommt. Solche Angaben machen nur Sinn, wenn Sie diese mit Hinweisen auf frühere Tätigkeiten belegen können.

Vergessen Sie nicht, eine Jobbewerbung ist ein Langstreckenlauf und mit Ihrer Bewerbung möchten Sie am Start teilnehmen.

Vieles was Sie im Bewerbungsschreiben und im Lebenslauf erwähnen, werden Sie sehr wahrscheinlich später in den persönlichen Gesprächen detailliert gefragt werden.

Vermeiden Sie den Konjunktiv wie zum Beispiel „ich würde“, „ich könnte“, „ich möchte“ in ähnliche Formulierungen. Das mag vielleicht höflich klingen, wirkt aber auch sehr zögerlich.
Formulieren Sie Ihre Sätze selbstbewusst und überzeugend mit „ich werde“, ich kann“, „ich will“ und „ich freu mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch“.

 

Step 6: Beantworten Sie alle Fragen

Beantworten Sie alle Fragen, die in der Jobanzeige angeführt sind. In vielen Fällen ist das zum Beispiel die Gehaltsvorstellung. Fragen in Jobanzeigen dienen generell dazu, die Menge der Bewerbungen nach bestimmten Vorgaben vorab eingrenzen zu können. Wenn Sie eine Frage ignorieren, dann widersetzen Sie sich diesen Vorgaben und riskieren aus dem Bewerbungsprozess ausgeschieden zu werden.

 

Step 7: Abschluss des Bewerbungsschreiben

In Summe sollte Ihr Bewerbungsschreiben auf keinen Fall länger als eine A4 Seite sein.

Circa ein Viertel bis ein Drittel der Seite ist für die Anschrift des Unternehmens, für die eigene Anschrift und für die persönliche Andere vorgesehen.

Lesen Sie das Bewerbungsschreiben mehrmals durch und achten Sie auf Tippfehler und verständliche Formulierungen. Überprüfen Sie die exakte Schreibweise des Unternehmens und den Namen des Ansprechpartners. Ein Tippfehler in diesem Bereich wird als grobe Schlampigkeit eingestuft.

Geben Sie zum Abschluss Ihr Bewerbungsschreiben und Ihren Lebenslauf mehreren Personen Ihres Vertrauens, die eventuelle Tippfehler korrigieren und den Text auf Verständlichkeit prüfen sollten, bevor Sie das Bewerbungsschreiben versenden.

Ein optischer Hingucker ist ihre handschriftliche Unterschrift als Abschluss des Bewerbungsschreibens.

Diese ist zwar nicht zwingend erforderlich, weil ein Scan bzw. eine Abbildung einer Unterschrift nicht mit einer digitalen Unterschrift gleichzusetzen ist.

Dennoch macht eine Unterschrift einen besonders professionellen Eindruck. Scannen oder fotografieren Sie Ihre Unterschrift von einem weißen Blatt Papier. Bearbeiten Sie das Bild in einer Bildbearbeitungssoftware und stellen Sie Kontrast und Helligkeit so ein, dass Sie einen absolut weißen Hintergrund erhalten. Abschließend beschneiden und skalieren Sie das Bild, damit Sie es in Ihr Bewerbungsschreiben einfügen können.

Fertig ist Ihr perfektes Berwerbungsschreiben.

Schicken Sie im Anhang Ihren Lebenslauf mit, aber keine Dienstzeugnisse. Diese werden bei Interesse gesondert nachgefragt und sind beim ersten Schritt der Bewerbung noch nicht notwendig.

Bitte nicht vergessen

Eine Job-Bewerbung ist ein Langstreckenlauf über eine unbekannte Distanz mit einer unbekannten Anzahl an Teilnehmern.

Mit Ihrem Bewerbungsschreiben bitten Sie um Ihre Starterlaubnis. 

 

Weiterführende Themen: Tipps um Ihren beruflichen Werdegang im Lebenslauf optimal darzustellen, finden Sie hier.

 

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